“Genießen statt begießen – Verantwortung + Grenzen kennen” – Suchtprävention

Anlass und Ausgangssituation

In den vergangenen Jahren hat der Gebrauch von Alkohol bei Jugendlichen immer mehr zugenommen. Auch wenn Alkopops durch die Verteuerung der Produkte nicht mehr die wichtigste Rolle beim Konsum spielen, haben Flat-rate-Partys und „Komasaufen“ zu neuen, gefährlichen Trinkmustern geführt. Bei jungen Menschen ist es damit zu einem massiven Anstieg von behandlungsbedürftigen Alkoholvergiftungen gekommen. Wurden im Jahr 2000 noch 9.500 Kinder und Jugendliche stationär wegen akuter Alkoholvergiftungen behandelt, waren es 2007 bereits 23.265 Personen – ein Anstieg um 143 %! Erstmals sind in diesem Jahr bei den 10 bis 15 Jährigen mehr Mädchen als Jungen durch ihren übermäßigen Alkoholkonsum behandlungsbedürftig gewesen.

Diese Entwicklung geht auch an unserer Region nicht vorbei. 2018 wurden 61 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren aus dem Kreis Bergstraße in den verschiedenen Kliniken der Region wegen Alkoholvergiftungen stationär behandelt, die meisten im Alter von 15 bis 17 Jahren. Neben den dramatischen persönlichen Schicksalen, die mit derartigen Situationen verbunden sind, wächst mit dem frühen, exzessiven Alkoholkonsum die Gefahr einer frühen, lebenslangen Alkoholabhängigkeit dieser Jugendlichen mit vielfältigen persönlichen, gesundheitlichen und sozialen Folgen.

Konzeption und Ziele

Wie schon bei unserem Raucherpräventionsprojekt “ohnekippe” wurde auch bei “Genießen statt begießen – Verantwortung + Grenzen kennen” der wissenschaftlichen Ansatz, das Konzept der Salutogenese nach Antonovski gewählt.

Wir sind deshalb bestrebt, nicht auf Einschüchterung und Angst zu setzen, sondern wir möchten die Selbstkompetenz und Eigenverantwortung der Jugendlichen stärken.

Um dies zu erreichen wurden für das Referat die Eckpunkte:

  • Verstehbarkeit (körperliche und soziale Folgen des Rausches sind vorhersehbar und erklärbar),
  • Handhabbarkeit (Nichttrinken und Wenigtrinken ist möglich)
  • und die Sinnhaftigkeit (Genießen bedeutet positives Wahrnehmen mit allen Sinnen) zugrunde gelegt.

Hauptziel ist, nicht eine dauerhafte Alkoholabstinenz, sondern ein verantwortungsbewusstes Umgehen mit Alkohol vorzubereiten und zu stärken, so dass Jugendliche erst später Alkohol probieren und maßvoll genießen.

Umsetzung

“Genießen statt begießen – Verantwortung + Grenzen kennen” gliedert sich in drei Teile:

  1. Die SchülerInnen sammeln mit der Referentin Frau Stern-Bernlöhr ihr Wissen um das Thema Alkohol und Sucht und entwickeln Strategien mit Versuchungssituationen umzugehen.
  2. Sie haben Gelegenheit mit einem/einer jungen Suchtkranken, d. h. einem „Experten in eigener Sache“ zu sprechen und von ihm/ihr zu erfahren, wie die „Suchtkarriere“ verlaufen ist.
  3. Danach können die SchülerInnen mit „Rauschbrillen“ ausgerüstet probieren, wie schwierig selbst einfachste tägliche Verrichtungen werden, wenn Sehfähigkeit und Bewegungskoordination durch Alkoholwirkung eingeschränkt sind.

Zwischen den Veranstaltungsabschnitten haben die SchülerInnen Gelegenheit durch Teilnahme an einem Quiz, bei dem die Informationen des Referats abgefragt werden, Preise zu gewinnen (Mouse-pads, Handy-Socken, Frisbeescheiben…).

Sicherung

Das Projekt ist in der bisherigen Startphase durch die Anschubfinanzierung durch „Schule und Gesundheit“ des Hauses der Pädagogik, Bergstraße-Odenwald, getragen. Die verwendeten Rauschbrillen wurden anteilig von der Lochmann Stiftung und dem Autohaus Stumpf, Heppenheim finanziert.

Ergebnisse

Selbstverständlich erfolgt eine Evaluation zum Ende der Veranstaltung über das bisherige Verhalten der SchülerInnen im Umgang mit Alkohol und ihre Beurteilung der Veranstaltung.

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