SEXUALITÄT: WAS IST NORMAL?

Jeder Mensch ist unterschiedlich, in der Partnerschaft treffen dann gleich zwei ganz eigene Individuen zusammen. Ganz klar, dass es für Sex keine Normen gibt, die sich auf jedes Paar anwenden lassen.
Der US-Neurobiologe Dr. Mark S. White von der University of Southern California in La Jolla bei San Diego drückt dies so aus: „Erfüllter Sex ist meist nur dann möglich, wenn sich beide Charaktere einander angleichen, ihre jeweiligen Eigenheiten gegeneinander ausgleichen. Jede Frau, jeder Mann kann mit einem jeweils anderen Partner völlig verschiedene sexuelle Erfahrungen gewinnen.“

Was Dr. White ebenfalls sagt: Sex ist und bleibt gemeinsames Erlebnis unter Geheimhaltung. Deshalb erfährt man wenig darüber, wie sich andere Paare in der Liebe verhalten. Und was man erfährt oder liest, ist meistens falsch. So z.B., dass Paare fünf- oder sechsmal pro Woche Sex haben, dass beide dabei uneingeschränkte Erfüllung finden (Sprich: Orgasmen), dass das erotische Beisammensein zu einer stets beglückenden Verschmelzung führt.

Normal ist demnach gar nichts. Einmal Geschlechtsverkehr pro Woche kann ebenso normal sein wie siebenmal pro Woche oder zweimal im Monat. Es gibt Frauen, die erklären, ein sexuell erfülltes Partnerleben zu führen, ohne überhaupt zum Orgasmus zu kommen.

Der häufig geäußerte Ratschlag, einfach mit dem Partner über dessen Wünsche, Begierden usw. zu reden, gilt nicht immer als optimal. Die totale Offenlegung der jeweiligen Interessen, das arithmetische Berechnen der „Orgamus-Chancen“ (nach dem Motto: „In dieser Stellung gefällt es mir am besten“) gilt als falsch. Denn Sex ist auch in jeder Stunde, in jedem Augenblick anders. Niemals ist ein Liebesakt Kopie eines vorangegangenen. „Und wenn dies so wäre“, fügt Dr. White hinzu“, fehlt dem Akt der Zauber der Neuentdeckung. „Dann wird Geschlechtsverkehr monoton, letztlich abstumpfend.“

Meist ist es ohnehin so, dass sich die sexuellen Interessen zweier Partner nicht decken. Dem einen macht es öfter Spaß, dem anderen nicht. Der eine wünscht sich oralen Sex bis hin zu weiteren raffinierten Techniken, der andere lehnt dies vehement ab. Dabei spielt auch die jeweilige Erziehung eine Rolle, der Glaube, die Weltanschauung.

Das größte Problem beim Partnersex ist die Angst. Nicht zum Orgasmus zu kommen, frigid zu sein, dem anderen nicht die Erfüllung zu schenken, auch die Befürchtung, dass die ganze Beziehungskiste flöten geht, wenn es im Bett nicht klappt. Dr. Mark White rät, sich davon ganz zu befreien: „Die Angst, die man selbst hat, spürt der andere nicht oder kaum. Und in der Liebe entwickeln Partner viel Verständnis für Unzulänglichkeiten des anderen. Dann wird es eine Frage der Zeit, bis aus einer vielleicht total verkorksten Liebesbeziehung eine wundervolle Partnerschaft entsteht…“